Zunftbeschreibung

Kurze Zunftbeschreibung der Narrenzunft Mühringen e.V. 1952

Kurze Zunftbeschreibung der Narrenzunft Mühringen e.V.

Der Stadtteil Mühringen - wegen seiner Korbflechterei im hohen Mittelalter auch

„Krattenmacherhausen" genannt - feiert nach mündlicher Überlieferung älterer Bürger

die Straßenfasnet schon seit dem 18. Jahrhundert.

Mühringen hat um 1900 etwa 720 Einwohner und bildete mit seinen Läden und

Handwerkern ein wichtiges Zentrum im Eyachtal. Am Ort befanden sich

Kleidergeschäfte, Schuh- und Uhrmacher, Viehhändler, Zimmerleute, ein Arzt und

Chirurg, eine Volksschule, ein Rabinat, eine Synagoge, eine Ölmühle, ein Postamt und

eine Drogerie. Ein reges Vereinsleben rundete die Palette ab.

Als im Jahre 1906 der damalige ortsansässige Kunstmaler Stillhammer altüberliefertes

Fasnetsbrauchtum zusammenfaßte, entwickelte sich die Fasnet wieder zu neuem

Leben.

Beim Umzug zogen Pferde festlich geschmückte Wagen durch die Straßen. Junge

Männer führten den „Strohbär“ mit sich, der sich auf die Kinder und Narren stürzte.

Bajazzo, Hexen und Teufel gab es schon. Eine Katzenmusik, die ihre Instrumente aus

Ofenrohrwinkeln selbst gebaut hatte, war mit dabei. Die Musiker trugen Katzenmasken.

Daher der historische Ruf:

,,Hoorig hoorig, hoorig isch dia Katz, ond wenn dia Katz et hoorig isch, no fängt se koane

Meis, borstig, borstig, borstig isch dia Sau, ond wenn die Sau et borstig isch, no geit se

koane Lebrawüscht."

Während des Umzugs wurde eine Fasnetschronik verlesen, die über ungewöhnliche

Erlebnisse der Dorfbewohner zu berichten wußte. Der erste Weltkrieg machte der Fasnet

ein Ende und erst ab 1921 wurden die närrischen Bräuche wieder gepflegt.

Mit der Gründung der Narrenzunft Mühringen im Jahre 1950 knüpfte man wieder an eine

Jahrhunderte alte Tradition an. Die Gründung erfolgte mit närrischen Ehren am 3. Dez.

1950 im Nebenzimmer des Café Hebe. Gründungsmitglieder waren: Christian Hertkorn,

Adolf Riester, Engelbert Hebe, Arthur Hertkorn, Leo Bieger, Otto Christinger, Josefine

Becker und Christine Christinger.

Als Narrenkönig wurde Christian Hertkorn gewählt, als 1. Präsident Adolf Riester, als

Schriftführer und Schatzmeister Engelbert Hebe.

Einen stürmischen Aufschwung nahm die Mühringer Fasnet in den 50er-Jahren; durch

große Umzüge mit originellen Wagen und Maskengruppen entwickelte es sich rasch zu

einem Zentrum des Narrentreibens. Im Jahre 1956 komponierte Adalbert Deuringer den

,,Mühringer Narrenmarsch", der dann vom Süddeutschen Rundfunk am Montag, den 29

Febr. 1960 zwischen 17:30 Uhr und 18:00 Uhr ausgestrahlt wurde.

Von 1950 bis 1977 war Adolf Riester Zunftmeister. Sein Nachfolger wurde Karl Müller

bis 1987. Von 1987 bis 1990 Erika Weiler. Ab 1991 bis 2002 Hans - Otto Christinger ,

2002 bis 2007 Roland Beuter , 2007 bis 2012 Gabriela Lacher und seit 2012 Florian Ranft.

Die Krattenmacherzunft Mühringen besteht heute aus folgenden Gruppen:

Narrenrat mit Zunftmeister, original Krattenmacher (1950), Schantlegruppe (1958),

Schloß- und Talhexen (1970) mit Kälbeshannes (1977).

Masken- und Gruppenbeschreibung

a. Krattenmacher

Die Krattenmacher aus Mühringen sind eine der vielen originellen Traditionsfiguren

unserer engen Heimat. Der Name ,,Krattenmacher" stammt aus dem Berufszweig der

Korbmacher, die nach dem Gemeindearchiv bereits im 13. Jahrhundert im Eyachtal

ansässig waren.

Die Männer tragen eine schwarze Zipfelmütze, ein blau – weiß - gestreiftes Hemd, blaue

Arbeitshose, blaue Arbeitsschürzen und halbfertige ,,Kratte". Die Frauen sind in bunte

Blusen, blaue Schürzen mit blauem Kopftuch, sowie grünen Cordrock gekleidet; sie

tragen mehrere Körbe in der Hand.

Mit der Gruppe der Krattenmacher läuft seit 1979 auch das ,,Weinende Weiblein". Die

Maske stellt ein vom Leid gezeichnetes altes Frauengesicht dar. Legende: Am Platz des

Kapfschlößchens in Mühringen soll einst ein Weiblein gesessen haben und still vor sich

hin geweint haben. Dann verschwand es, um - nach hundert Jahren wiederzukommen,

um sich am selben Ort auszuweinen.

b. Narrenrat:

Der Narrenrat trägt einen schwarzen Frack mit rotem Samtkragen, schwarzes Barett mit

Fuchsschwanz und Zunftwappen rot - gold, weißes Hemd und grüne Weste.

c. Schantle (Fleckleshäs/Weißnarrenhäs):

Freundlich lachende Holzmaske mit ausgeschnitztem Korb auf dem Kopf, am Kopftuch

einen Fuchsschwanz befestigt. Zuerst trugen die Schantle ein Häs mit aufgenähten

bunten Stoff-Fleckle (Plätzle). Das Weißnarrenhäs mit auf dem Rücken gemaltem

Krattenmacher, der in der Hand einen Korb hält, kam erst 1968.

Seit 2009 gibt es wieder eine Einzelfigur mit dem Traditionellen Fleckleshäs und einem

Besen.

d. Schloß- und Talhexen:

Die Hexen entstanden durch alte Schauermärchen von der Ruine „Frundeck“ und

Schloß Hohenmühringen, " wo ein Geist, genannt der ,,Kälbleshannes" mit den Hexen

sein Unwesen trieb.

Schauerlich grüne Holzmaske mit roter Nase, roten Backen und rotem Kinn. Kostüm

recht eigenartig bunt wie grüner Rock, bunte Bluse, gelber Schürze und gelbes

Kopftuch. An den Beinen bekleidet mit rot - weißen Ringelsocken und Strohschuhen. Es

gibt die Schloßhexen und die Talhexen sowie eine Feuerhexe.

Zu dieser Gruppe gehört der ,,Kälbleshannes". Die Maske stellt einen Kalbskopf mit

heraushängender Zunge dar. Er ist mit einem echten Kalbsfell7Anzug bekleidet. In der

Hand hält er eine rasselnde Kette, um die Schloßhexen einzufangen

Legende: Etwa um die Zeit um 1900 hörte man in Mühringer Bevölkerungskreisen vom

sog. Schloßgeist ,,Kälbleshannes" auf Hohenmühringen.

Es heißt, er schleiche sich in Stallungen ein, flechte den Tieren aus den Schwanz- und

Schweifhaaren Zöpfe, rassele stundenlang mit eisernen Ketten, mische sich als

überzähliges Kalb unter die anderen Stalltiere und komme und gehe wie es ihm passe.

e. Narrenpolizist:

Eine alte traditionelle Figur der Mühringer Narrenzunft ist der ,,Narrenpolizist". In früherer

Zeit ging dieser mit dem Zunftmeister am „Schmotzigen" in die Volksschule und gab

allen Kindern schulfrei.

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Narrenmarsch der Narrenzunft Mühringen

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